Gemeinsam für ein Ziel zu arbeiten macht glücklich

Die Initiative Neugraben fairändern – und was das Ehrenamt so attraktiv macht.

„Keine Aufgabe mehr und keinen Kollegenkreis – das Rentnerinnen-Dasein wollte vorbereitet sein. Das Ehrenamt war da genau der richtige Schritt.“ Anke, seit einigen Jahren bei
„Neugraben fairändern“ aktiv, erzählt strahlend von ihrer Mitarbeit in der Initiative. Sie hat in dieser Zeit an tollen Fortbildungen teilgenommen und dabei globales Denken und Handeln Schritt für Schritt kennen- und verstehen gelernt. In der Folge hat sie sich Aufgaben in der Initiative gesucht, wo sie mit Menschen ins Gespräch kommen und aufklärend wirken kann.


Die Initiative ‚Neugraben fairändern‘ setzt sich seit nunmehr 15 Jahren in Süderelbe für den Gedanken einer nachhaltigen, gesunden und vielfältigen Ernährung sowie einer bewussten Lebensführung ein, die sich an den Entwicklungszielen der Vereinten Nationen orientiert.
Denn den Menschen hier kann es auf Dauer nur gut gehen, wenn auch die Kleinbauern und anderweitig Beschäftigten im Süden der Erde eine faire Bezahlung erhalten, mit der sie eine Lebensgrundlage haben, nicht hungern müssen und ihre Kinder zur Schule schicken können. Das war auch der Gründungsauftrag einer Neugrabenerin, die ihr Erbe der Michaelisgemeinde hinterlassen hat, um etwas gegen den Hunger in der Welt zu tun.

Wolfgang Zarth, der in Anerkennung seiner Verdienste im letzten Jahr den Süderelbethaler erhalten hat, entwickelte daraus gemeinsam mit einer Fairtrade-Expertin ein Projekt, um die Menschen hier im Stadtteil zu gewinnen, diese Zusammenhänge zu sehen und sich ihrer Macht als Konsumenten bewusst zu werden. Für ihn ist die Initiative ein Herzensprojekt, aber auch eine Möglichkeit zum Ausprobieren, Ausbalancieren, Teilhaben und Freude erleben.
Auch Vicky, die, noch nicht lange dabei, für den Newsletter und die Sichtbarkeit in Sozialen Medien verantwortlich ist, schätzt die Gemeinschaft. Als junger Mensch macht sie sich viele Gedanken um unsere Zukunft und die der Erde. „Da ist es einfach schön, das Gefühl zu haben, gemeinsam etwas verändern zu können und nicht in dieser scheinbar unmöglichen Aufgabe allein zu versinken.“
Elke bereut den Schritt ins Ehrenamt keine Sekunde: „Ich packe Dinge an, die ich mir allein wohl nicht zugetraut hätte. So organisiere ich die regional-saisonal-fairen Kochkurse mit Yvonne Grimault. Es spornt mich an, dass die Teilnehmer so viel Freude daran haben!“
Yvonne ihrerseits gefällt besonders, dass jeder seine eigenen Stärken und Themen einbringen kann, alle aber das gemeinsame Ziel haben, Nachhaltigkeit hier im Stadtteil erlebbar zu machen. Bei „Neugraben fairändern“ kann sie viele Themen, die sie auch beruflich beschäftigen, mit ihrem ehrenamtlichen Engagement verbinden. So erstellt sie z.B. die Inhalte der Kochkurse: „Dabei zeigen wir ganz praktisch, dass nachhaltiges Kochen richtig gut schmecken kann. Das macht immer großen Spaß und ist gleichzeitig sinnvoll!‘

Barbara hat sich als ehemalige Lehrerin schon lange für Produktionsmethoden, Arbeitsbedingungen, Bezahlung und Umweltverträglichkeit interessiert. „Mit Neugraben fairändern habe ich eine Initiative gefunden, die Ziele hat wie ich, eine gute Gemeinschaft bildet, mit Kompetenz, Kreativität und Einsatzbereitschaft diese Ziele verfolgt. Die interessanten Aufgaben und Schulungen haben mir auch geholfen, eigene Verhaltensweisen kritisch zu hinterfragen und zum Teil auch zu ändern.“ „Allein denkt man schnell, es ist jetzt nicht so wichtig, ob ich Produkte aus fairem Handel kaufe oder nicht“, ergänzt Teammoderatorin Ruth. „In der Gruppe merke ich, dass es einen Unterschied macht. Dadurch ist es leichter, das im Alltag zu leben.“ Sie findet außerdem, dass neben der persönlichen Weiterentwicklung der Freiwilligen die Mitarbeit in der Initiative auch für ein Gefühl größerer Selbstwirksamkeit sorgt. Und die Wertschätzung und Bestätigung in der Gemeinschaft tue allen gut. Ralf genießt es, dabei nicht in die Zwänge des Angestelltendaseins zu geraten: „Ehrenamt heißt Freiwilligkeit – und damit Freiheit.“
Dirk, verantwortlich für den ‚FAIRkauf‘, gefällt die Verbindung von Theorie und Praxis. „Wir informieren durch öffentliche Veranstaltungen über unsere Ziele, kooperieren mit anderen Initiativen. Zugleich arbeiten wir ganz handfest: Dreimal wöchentlich verkaufen wir im Zentrum von Neugraben fair gehandelte Produkte. Und wir haben die Kochkurse, machen Kleidertauschpartys, Kaffeeverkostungen, zeigen Filme und vieles mehr. Ohne dieses Praktische würde was fehlen. Wir haben Leute mit Ideen und Tatkraft, müssen aber auch die Aufgaben zukünftig auf mehrere Schultern verteilen und uns verjüngen.“

Neugierig geworden? Beim Stadtteilfest ‚Neugraben erleben‘ am 13. September ist die Initiative mit Aktivitäten vor ihrem großen Wandbild in der Marktpassage zu finden.

Das Kernteam trifft sich einmal im Monat in der Michaelisgemeinde.